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Unternehmer und
Event-Chain-Methodologie (ECM)

Pro­jek­t­man­ag­er pla­nen manch­mal die Dauer eines Pro­jek­ts auss­chließlich basierend auf ihrer eige­nen Erfahrung. Allerd­ings sind Berech­nun­gen, die auf den erfol­gre­ich­sten und erfol­glos­es­ten Auf­gaben, die sie aus­ge­führt haben, beruhen, wahrschein­lich ungenau.

Einige Man­ag­er denken unbe­wusst: Ich sehe, was ich sehen möchte.” Es ist üblich, dass ein Man­ag­er Infor­ma­tio­nen ver­traut, die mit sein­er Weltan­schau­ung übere­in­stim­men, während er Dat­en ignori­ert, die nicht seine Zus­tim­mung finden.

Eine weit­ere Her­aus­forderung in der Pro­jek­t­pla­nung ist die Kom­plex­ität der Beziehun­gen zwis­chen ver­schiede­nen Risiken. Ereignisse kön­nen jed­erzeit während des Prozess­es auftreten, miteinan­der kor­re­lieren oder andere Unsicher­heit­en aus­lösen. Das­selbe Ereig­nis kann je nach Umstän­den unter­schiedliche Auswirkun­gen haben, und der Man­ag­er kön­nte das Feuer löschen” auf ver­schiedene Weise.

Die Event Chain Method­ol­o­gy (ECM) geht davon aus, dass egal wie gut der Pro­jek­tzeit­plan vor­bere­it­et ist, Ereignisse ein­treten wer­den, die den geplanten Zeitrah­men verän­dern. Die Haup­tauf­gabe beste­ht darin, sie im Voraus zu iden­ti­fizieren, um sie zu steuern. ECM konzen­tri­ert sich nicht auf ständi­ge Prob­leme, da diese ohne beson­dere Analy­sen iden­ti­fiziert und behoben wer­den können.

Die Visu­al­isierung von Risiken, um sie ein­fach­er zu studieren, ist eine weit­ere wichtige Auf­gabe der Methodik.

Ursprung

Die Event Chain Method­ol­o­gy ent­stand Ende der 2000er Jahre auf Basis ander­er Risik­analy­se­tools. Der PMBOK Guide emp­fahl 2008 Tech­niken zur Risiko­analyse: Entschei­dungs­baum-Analyse, Monte-Car­lo-Sim­u­la­tion und Sen­si­tiv­ität­s­analyse. Die bei­den let­zten Ansätze wur­den zur Grund­lage der Event Chain Methodology.

Die Monte-Car­lo-Meth­ode hil­ft, die sta­tis­tis­che Verteilung von Ergeb­nis­sen auf der Grund­lage von Dat­en mit ein­er bes­timmten Wahrschein­lichkeit zu berech­nen. Die Sen­si­tiv­ität­s­analyse iden­ti­fiziert Risiken mit dem größten Ein­fluss auf Prozesse.
Ein weit­er­er Teil der Methodik ist die grafis­che Beschrei­bungssprache für die Mod­el­lierung von Geschäft­sprozessen, UML. Die Visu­al­isierung von Verbindun­gen zwis­chen Unsicher­heit­en wurde aktiv in der Soft­wa­reen­twick­lung ver­wen­det und bein­hal­tete die Erstel­lung von Gantt-Dia­gram­men und anderen Ereignis­net­z­di­a­gram­men.

Vorher­sagetech­niken, die his­torische Dat­en analysieren, wer­den eben­falls ver­wen­det. Ähn­lichkeit­en zwis­chen ver­gan­genen und aktuellen Prozessen wer­den identifiziert.

Diese Tech­niken bilden die Grund­lage der Ereignis­mod­el­lierungsmeth­ode. Unter ihrem Ein­fluss wird der Pro­jek­tzeit­plan wie fol­gt erstellt:

  1. Bere­it­en Sie den Pro­jek­tzeit­plan für das opti­male Szenario vor. Berech­nen Sie die Dauer, die Kosten und andere wichtige Para­me­ter. Ent­fer­nen Sie opti­mistis­che Indika­toren aus den Berech­nun­gen, da Pro­jek­t­man­ag­er oft über­mäßig ehrgeizige Zahlen auf­grund von Über­con­fi­dence, Fehlein­schätzun­gen oder Team-Moti­va­tion einbeziehen.
  2. Erstellen Sie eine Liste von Ereignis­sen und Ereignisket­ten. Prog­nos­tizieren Sie die Wahrschein­lichkeit ihres Auftretens und ihre Auswirkun­gen auf Ressourcen und Unternehmensaktivitäten.
  3. Führen Sie eine quan­ti­ta­tive Analyse mit der Monte-Car­lo-Meth­ode durch. Dies hil­ft Ihnen zu bes­tim­men, wie real­is­tisch es ist, das Pro­jekt bis zum fest­gelegten Datum ohne unvorherge­se­hene Kosten abzuschließen.
  4. Führen Sie eine Sen­si­tiv­ität­s­analyse durch, um Ereignisse und Ereignisket­ten mit dem größten Ein­fluss auf das Pro­jekt zu iden­ti­fizieren. Über­prüfen Sie die Dat­en, um zu beurteilen, ob die Wahrschein­lichkeit von Ereignis­sen genau bes­timmt wurde.
  5. Wieder­holen Sie die Analyse während des Pro­jek­ts basierend auf realen Dat­en und ob die vorherge­sagten Ereignisse einge­treten sind. Beurteilen Sie die Wahrschein­lichkeit und die Auswirkun­gen von Risiken basierend auf aktuellen Indikatoren.

Prinzip­i­en der ECM

Iden­ti­fizieren Sie den Moment des Ereignisauftritts und den angeregten Zustand

Prozesse sind nor­maler­weise nicht kon­stant und ein­heitlich. Sie wer­den von exter­nen Ereignis­sen bee­in­flusst, die ihren Zus­tand verän­dern. Wenn sich die Bedin­gun­gen des Prozess­es ändern — andere Ressourcen oder mehr Zeit erfordern — geht er in einen angeregten Zus­tand über. Vor den Änderun­gen war er in seinem ursprünglichen Zustand.

Der Prozesszu­s­tand kann an ein Ereig­nis gebun­den sein. Zum Beispiel hängt die Durch­führung ein­er Freiluftbe­sprechung vom exter­nen Ereig­nis schlecht­es Wet­ter” ab. Wenn es reg­net, wird der Prozess in einen angeregten Zus­tand ver­set­zt — die Besprechung find­et drin­nen statt. Jet­zt hängt der Prozess nicht mehr vom Ereig­nis schlecht­es Wet­ter” ab.

Ein Ereig­nis hat eine Auswirkung und eine Wahrschein­lichkeit. Angenom­men, ein Prozess ist an das Ereig­nis Änderung der Anforderun­gen” gebun­den. Es kann mit ein­er Wahrschein­lichkeit von 50% auftreten und eine Verzögerung von 50% im Ver­gle­ich zum ursprünglichen Zus­tand verur­sachen. Wenn dieses Szenario jedoch wieder­holt wird, beträgt die Verzögerung möglicher­weise nur 25%, da die Geschäfts­führung beim let­zten Mal bes­timmte Maß­nah­men zu deren Min­derung getrof­fen hat.
Die Auswirkung eines Ereigniss­es kann zu Prozessverzögerun­gen, Neustarts, Stornierun­gen oder dem Bedarf an neuen Ressourcen und Maß­nah­men führen.
Jedes Ereig­nis hat einen Moment des Auftretens. Es kann abso­lut sein, an ein bes­timmtes Datum gebun­den, oder rel­a­tiv — am Anfang, in der Mitte oder am Ende des Prozess­es auftreten. Der Zeit­punkt des Ereigniss­es bee­in­flusst seine Auswirkungen.

Ereignisket­ten definieren

Einige Ereignisse kön­nen andere aus­lösen und Ereignisket­ten bilden. Zum Beispiel führte eine Änderung der Anforderun­gen zu ein­er Verzögerung des Prozess­es, und um diese zu beschle­u­ni­gen, wur­den Ressourcen aus einem anderen Prozess zugewiesen. Infolgedessen wer­den Fris­ten über­schrit­ten und das Pro­jekt ins­ge­samt scheitert.

Das Ereig­nis, das die Kette aus­löst, wird als Ini­tia­tor beze­ich­net. Das Ereig­nis, das übern­immt”, ist der Empfänger. Der Effekt, der aus der Ereigniskette entste­ht, wird als Mul­ti­cast bezeichnet.


Ereignisket­ten verur­sachen mehr Verzögerun­gen als unab­hängige Ereignisse. Nach­fol­gend find­en Sie ein Beispiel für einen solchen Ein­fluss auf drei Prozesse in einem Pro­jekt, die jew­eils mit ein­er Wahrschein­lichkeit von 50% einen Neustart haben und 5 Tage dauern. Die Analyse wurde mit der Monte-Car­lo-Meth­ode durchgeführt.

Visu­al­isierung und Analyse

Die Visu­al­isierung der Beziehun­gen zwis­chen Ereignis­sen kann mit Gantt-Dia­gram­men erfol­gen. Hier sind die Regeln für deren Erstellung:
  1. Ereignisse als Pfeile mit beschrifteten Namen anzeigen.
  2. Neg­a­tive Ereignisse mit abwärts gerichteten Pfeilen und pos­i­tive Ereignisse mit aufwärts gerichteten Pfeilen darstellen.
  3. Ereignisse in der Kette mit Lin­ien verbinden.
  4. Ein aus­lösendes Ereig­nis mit mehreren Lin­ien zu emp­fan­gen­den Ereignis­sen wird als Mul­ti­cast betrachtet.
  5. Glob­ale Ereignisse, die alle Prozesse außer­halb des Gantt-Dia­gramms bee­in­flussen, anzeigen. Bedro­hun­gen über dem Dia­gramm und Chan­cen darunter angeben.

Monte-Car­lo-Sim­u­la­tion zur Risikoanalyse

Sobald Risiken, Ereignisket­ten und deren zuge­hörige Prozesszustände iden­ti­fiziert sind, ver­wen­den Sie die Monte-Car­lo-Meth­ode, um die Gesam­tauswirkun­gen von Ereignis­sen zu bestimmen.

Selb­st wenn alle Risiken iden­ti­fiziert sind, beste­hen immer Unsicher­heit­en in Bezug auf die Pro­jek­tkosten und ‑dauer. Um sie zu berück­sichti­gen, berech­nen Sie die sta­tis­tis­chen Verteilun­gen von Startzeit, Dauer und Pro­jek­tkosten. Ver­wen­den Sie nicht diesel­ben Ursachen, die Sie den Ereignis­sen zuge­ord­net haben, um eine Über­lap­pung von Risiken zu vermeiden.

Fol­gen Sie diesen Schrit­ten für eine kor­rek­te Monte-Carlo-Analyse:
  1. Berech­nen Sie die Zeit­punk­te des Risikoauftretens basierend auf der sta­tis­tis­chen Verteilung für jeden Zustand.
  2. Prüfen Sie, ob aus­lösende Ereignisse mit der gegebe­nen Wahrschein­lichkeit auftreten werden.
  3. Bes­tim­men Sie, ob Sie die Wahrschein­lichkeit­en der Emp­fangsereignisse für dieses Exper­i­ment aktu­al­isieren müssen.
  4. Prüfen Sie, ob Emp­fangsereignisse mit der gegebe­nen Wahrschein­lichkeit aufge­treten sind.
  5. Analysieren Sie jeden Prozess sowohl im ursprünglichen als auch im angeregten Zustand.
  6. Wenn ein Ereig­nis dazu führt, dass der Prozess abge­brochen wird, markieren Sie es als solch­es und berück­sichti­gen Sie neue Kosten und Zeit­en im Projektplan.
  7. Wenn ein Ereig­nis ein anderes Ereig­nis verur­sacht — das Ein­greifen des Man­agers als mildernde Maß­nahme — passen Sie den Pro­jek­tzeit­plan entsprechend an.
  8. Berück­sichti­gen Sie die kumulierten Auswirkun­gen von Ereignis­sen auf die Pro­jek­tkosten und ‑dauer sowie die Schwankun­gen von Dauer und Kosten.
Das Ergeb­nis gibt Ihnen die Wahrschein­lichkeit ein­er erfol­gre­ichen Pro­jek­tab­schluss und die Wahrschein­lichkeit, dass einzelne Prozesse abgeschlossen werden.

Find­en von kri­tis­chen Ereignisket­ten und Ereigniskosten

Ereignisse oder Ereignisket­ten mit der höch­sten Wahrschein­lichkeit, Prozesse zu bee­in­flussen, wer­den als kri­tisch beze­ich­net. Iden­ti­fizieren Sie sie während der Sen­si­tiv­ität­s­analyse, indem Sie die Kor­re­la­tio­nen zwis­chen den wichtig­sten Pro­jek­t­pa­ra­me­tern wie Kosten und Dauer sowie Ereignisket­ten untersuchen.

Ver­wen­den Sie eine Sen­si­tiv­ität­sta­belle, um kri­tis­che Ereignisse oder Ket­ten zu verfolgen.

Faz­it

Moti­va­tions­fak­toren bee­in­flussen die wichtig­sten Prozess­pa­ra­me­ter mehr als Risiken. Die Event Chain Method­ol­o­gy hil­ft, selek­tive Wahrnehmung, Man­agerverz­er­run­gen gegenüber Infor­ma­tio­nen, die mit ihren Prinzip­i­en übere­in­stim­men, Über­con­fi­dence und Pla­nungs­fehler zu überwinden.

ECM berück­sichtigt Fak­toren, die von anderen Risik­analy­setech­niken überse­hen wer­den: Zeit­punk­te des Risikoauftretens, Ereignisket­ten, Verzögerun­gen beim Ereignisauftritt und mildernde Maß­nah­men. Um die Iden­ti­fizierung von Ereignis­sen und deren Ket­ten zu erle­ichtern, erstellen Sie Dia­gramme und Prozesszustandstabellen.

Die Methodik umfasst Risiko­analy­sen und Zeit­planan­pas­sun­gen während des Projekts.

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